Bei den Fußballern des ESV Freilassing spielt sich im Moment die ein oder andere personelle Veränderung ab. Nicht nur auf der Kommandobrücke gabs einen Wechsel. Wie bereits berichtet, übernahm Goran Roksandic für Albert Deiter an der Seitenlinie. Auch abseits des grünen Rasens hat sich in der Abteilungsleitung der Eisenbahner etwas getan. Der langjährige Spartenchef Hans Gietl ist nun „lediglich“ als 2. Vorsitzender im Gesamtverein zuständig und reichte den Stab an Frank Gorzel weiter.
Der gebürtige Burghauser, dessen Söhne Nico (27) und Finn (24) übrigens in der Jugend für Red Bull Salzburg – Nico zudem beim FC Liefering – aufliefen, ist mit seinem Vorgänger in permanentem Austausch. Anders würde es momentan nicht gehen. Gietl kümmert sich unter anderem noch um Platz, Spieltags-Organisation bei Heimspielen im Max-Aicher-Stadion oder Weihnachtsmarkt. Viele Themen übernahm er bislang einfach selbst. Das nötigt seinem Nachfolger Gorzel Respekt ab. Egal wie viele Ups und teilweise Downs der Verein durchmachen musste: „Der Hans hat immer seinen Mann gestanden, ist nach vorne gegangen und hat auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernommen“, betont der 61-Jährige.
Gorzels Aufgabenbereich ist vor allem Struktur und Organisation. Sein Ziel: Gut ausgebildete Spieler aus der Jugend sollen künftig über die A-Jugend und U23 herangeführt werden. Insgesamt sei es ihm wichtig, dass die Bindung zwischen erster Mannschaft, Reserve und A-Jugend wieder enger wird. „Das muss unser Weg sein.“ Er geht auch davon aus, dass sich von der Anzahl her in der kommenden Spielzeit mehr Kicker in der „Zweiten“ als in der „Ersten“ im Kader befinden werden. Das Ziel ist für beide Teams klar formuliert: Die Landesliga-Mannschaft soll nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen, die Zweitvertretung in der A-Klasse vorne mitmischen.
Dazu bedarf es jeweils einer schlagkräftigen Truppe. Gerade für die erste Mannschaft wünscht sich Neu-Coach Roksandic noch die eine oder andere Verstärkung. Zwei 1:4-Niederlagen stehen bis dato in den Testspielen zu Buche. Kapitän Simon Schlosser und Goalgetter Timo Portenkirchner stiegen jedoch erst wieder ins Training ein – ebenso wie Innenverteidiger Georg Wieser, der in der vergangenen Spielzeit mit die meisten Minuten in den Knochen hatte. „Wir müssen Vertrauen in den Kader haben, junge Spieler wie Dominik Krein sollen mehr Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt nach vorne arbeiten“, so Gorzel. Das nächste Vorbereitungsmatch absolviert der ESV übrigens am heutigen Samstag um 14 Uhr beim UFC Ostermiething (Oberösterreich-Liga).
Was den Eisenbahnern laut Gorzel zudem in die Karten spielt, ist die Tatsache, dass einige Rekonvaleszenten bereits einen Schritt weiter sind als erwartet. Bei Tim Bageritz siehts sehr gut aus, Manuel Beck gab vor kurzem nach langer Pause sein Comeback. „Insgesamt hoffen wir einfach, dass sich die Jungs aus der U23/U19 rasch akklimatisieren.“
Aktuell wartet noch viel Arbeit auf das neue Team rund um Gorzel. Ob Kaderplanung, Verhandlungen, Freigaben, interne Kommunikation – vieles müsse sich laut Spartenchef einfach noch einspielen. Und dann ist da noch die Organisation des Saisoneröffnungsspiels gegen Kastl. Auch der Trainer, der laut Gorzel „hochambitioniert und -qualifiziert“ ist, muss Mannschaft und Liga noch kennenlernen. Als Co-Trainer hilft aktuell übrigens Keeper Thomas Unterhuber aus, der wegen einer Kreuzbandverletzung vorerst ausfällt. „Das Feedback ist positiv, der Teamspirit gut. Wir müssen insgesamt einfach näher zusammenrücken.“ Sein Vorgänger Gietl bleibt dem Fußball erhalten und kümmert sich nach wie vor um viele Themen. Gorzel schwebt generell vor, die Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen.
Seit 2001 lebt der 61-Jährige in Freilassing. Er studierte Betriebswirtschaft in Passau und war im Management diverser Industrieunternehmen tätig. Die meiste Zeit kickte er beim SV Wacker Burghausen, einige Male sogar in der „Ersten“ , außerdem beim TSV Marktl, TSV Neuötting und SV Heimstetten. Gorzel übte viele Sportarten aus, die Leidenschaft fürs runde Leder bleibt jedoch bis heute die größte.
Als Abteilungsleiter erhofft er sich im Endeffekt, „dass wir das, was wir uns vornehmen, hinbekommen. Vor meiner Aufgabe als Spartenchef habe ich großen Respekt, bin aber auch dankbar für das Vertrauen.“ Da diese Zeit aktuell sehr kräftezehrend ist, bleiben neben Familie und Sport sonstige Aktivitäten wie Freunde treffen, Fortfahren oder in die Berge gehen derzeit viel auf der Strecke. Vielleicht ergibt sich ja für Gorzel dann doch mal die ein oder andere ruhige Minute.
22 Jahre lang hatte sein Vorgänger Gietl das Amt des Spartenchefs bei den Eisenbahnern inne. In dieser Zeitspanne überhaupt einen Moment herauszupicken, sei laut dem 60-Jährigen schwer. Doch der einstige Doppelaufstieg der „Ersten“ und „Zweiten“ sei natürlich ein Highlight gewesen. Das Marketing übernehmen nun er, seine Frau Claudia sowie Mathias Häuslmann. Seit 1990 hält Gietl den Grenzstädtern mittlerweile schon die Treue. Seinen Nachfolger bezeichnet er übrigens als „Top-Mann“. Gietl wird auch in seinem neuen Aufgabenbereich nicht langweilig. „Arbeit ist noch genug da.“