Freilassing – Die Elf von Coach Goran Roksandic begann wild entschlossen und belohnte sich sofort: Verteidiger Georg Wieser sah den freien Tim Bageritz an der rechten Außenbahn. In Erwartung eines Abschlusses kam Grünwalds Keeper Leon Cuni aus seinem Kasten, doch der 23-jährige ESVler legte klug und quer auf den völlig freien Rodi Hussein ab, der nur noch flach ins leere Tor abstauben musste – 1:0 (6.). Der Gegentreffer war für die Kicker aus dem Münchner Nobelvorort ein Weckruf, sofort gingen sie auf den Ausgleich – und erzielten ihn:
Nach einem wahren Billard-Hin- und Her vor und im Sechzehner kam schließlich Lorenz Weber in den Besitz des Spielgeräts, erkannte das leere Feld vor sich und schloss mit einem sehenswerten Schlenzer ins nahe Kreuzeck ab – 1:1 (15.). Kurios: ESV-Schlussmann Matej Markovic hatte bereits in dieser ersten Viertelstunde weit mehr Ballkontakte als im gesamten Heimspiel vor zwei Wochen gegen Hallbergmoos (3:0) verbucht.
Nur sieben Minuten nach dem Ausgleich lag die Kugel erneut im TSV-Netz: Timo Portenkirchner kam konternd über Links, schlug noch zwei Haken, legte quer für den heranrauschenden Dominik Krein auf, der sich aus 17 Metern die Ecke aussuchen durfte – 2:1 (22.). Die Eisenbahner spielten sich jetzt in einen Rausch, das Tor des Tages begeisterte das Publikum auf den Rängen endgültig: Hussein überspielte links gleich fünf Grünwalder, ehe er den top postierten Bageritz sah und bediente. Der hochmotivierte Angreifer zog aus 20 Metern sofort ab und traf fulminant ins linke Eck – 3:1 (28.). Genauso sehenswert gestaltete sich der Anschlusstreffer der Gäste: Obwohl von Raul Miclos massiv am Trikot gezogen, ließ sich TSV-Torjäger Laris Stjepanovic nicht fallen, zog nach 20 Metern Laufweg mit rechts ab und traf in Markovics Torwarteck – nur noch 3:2 (37.).
Vom Anstoß weg stellte Freilassing komplett unbeeindruckt den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her: Weiter Ball in die gegnerische Hälfte, TSV-Keeper Cuni kam raus und klärte außerhalb seiner Box mit der Brust. Das Leder fiel Hussein vor die Füße, der es aus 25 Metern nur noch ins leere Tor schieben musste – 4:2 (38.), Doppelpack. Das war‘s immer noch nicht, das Erste-Hälfte-Spektakel erlebte auch eine interessante Schlussphase: Markovic rettete stark gegen David Halbich zur Ecke (42.), Hendrik Geiler verzog seinen Schuss haarscharf links vorbei (44.), sein Teamkollege Gabriel Wanzeck verfehlte knapp das Kreuzeck (45.+1). Halbzeitpfiff, alle Beteiligten mussten erstmal ein wenig runterkommen.
Die zweite Hälfte konnte das zuvor Erlebte nur schwer toppen, dafür blieb die Spannung: Denn nachdem Halbich auf dem Weg zum Tor bei ESV-Kapitän Simon Schlosser eingefädelt hatte, deutete Referee Tobias Küblböck sofort auf den Punkt. Diese Chance ließ sich der sicher verwandelnde Stjepanovic zum frühen Anschluss (4:3/52.) aus elf Metern nicht nehmen. Die „Torwartaktion“ eines TSV-Feldspielers am ersten Pfosten übersah das Schiedsrichter-Trio unmittelbar drauf, worüber sich Torwarttrainer Stefan Schönberger lautstark echauffierte und glatt Rot (54.) sah. Grünwald drückte nun, Freilassing bettelte ein wenig um den Ausgleich.
Doch Keeper Markovic sollte den knappen Sieg retten, da seine Vorderleute zu keinen gefährlichen Offensivaktionen mehr fähig waren. Der ESV-Tormann klärte hechtend gegen Halbich (55.) und Geiler (57.). Und als Daniel Leugner völlig allein vor dem Schlussmann auftauchte und diesen überlupfen wollte, riss der Mann in Orange seine Arme hoch und klärte lässig (63.). Der ESV bekam nur eine 5:3-Möglichkeit: Timo Portenkirchner hatte den raussprintenden Cuni bereits umkurvt, doch der Winkel war bereits zu spitz geworden (73.). Markovic parierte schließlich noch einmal stark, diesmal mit einem Spagat gegen den eingewechselten David Lucksch (78.). Bei Freilassing sah Kaan Coskun wegen angeblicher Schauspielerei nach einem Foul an ihm Gelb-Rot (90.+3.).
Das war‘s: Der ESV feierte Sieg Nummer fünf insgesamt, den dritten in Folge, und verteidigte damit erfolgreich Rang 2. Timo Portenkirchner, der diesmal nicht zum Erfolgsabschluss kam, verlor das Torjäger-Duell gegen seinen Grünwald-Kontrahenten Laris Stjepanovic zwar mit 0:2, gewann die Partie mit seinem Team jedoch 4:3 – was ihm natürlich allemal lieber war. Bereits am Mittwoch (26. August), fährt der Sieben-Tore-Mann mit seinem Team zum Chiemgau-Derby nach Traunstein, Anpfiff 19 Uhr. (bit)