Und das, obwohl sie mit dem am Sprunggelenk verletzten Tobias Schindler und den Urlaubern Arber Tafilaj, Tobias Frisch oder Molos Bajgora auf etliche Team-Stützen verzichten mussten. Dazu fehlten Kaan Coskun und Markus Prechtl. Doch die Startelf-Debütanten Niclas Hofer und Tim Gendel meisterten ihre Aufgaben in der Verteidigung genauso wie Marius Koller bravourös. Zudem kehrte der zuletzt angeschlagene Tim Bageritz zurück in die Startelf, und der ebenfalls leicht lädierte Kapitän Simon Schlosser hielt 90 Minuten durch. Erstmals von Beginn an gemeinsam auf dem Feld: Die Hofer-Zwillinge Timo (offensiv) und Niclas (defensiv).
Die erste Elf wurde also gründlich durcheinandergewirbelt, doch es wirkte so, als hätten sie schon oft exakt so zusammengespielt. Der ESV war die erste halbe Stunde optisch am Drücker, gute Chancen blieben jedoch noch aus. Elfmeteralarm wurde nach 20 Minuten ausgerufen, Koller hatte Emil Kierdorf klar gefoult, Schiedsrichter Michael Freund (SV Perlesreut) ließ weiterlaufen. Zehn Minuten später die Freilassinger Führung: Eine Ballstafette über Georg Wieser, Niclas Hofer und Dominik Krein fand Timo Portenkirchner, der sich 20 Meter vor dem Kasten noch durch zwei Gäste-Akteure tankte. Und wenn der Goalgetter dann zentral allein vor dem Kasten auftaucht, ist es halt meistens ein Tor – selbst wenn er bei seinem 1:0 diesmal das Glück ein wenig mit herausforderte, da Keeper Sebastian Kolbe noch stark dran war.
Der Gegentreffer wirkte im VfB-Kollektiv wie ein Wachmacher: Plötzlich gehörte den Münchner Vorort-Kickern die Partie. Ecke Benedikt Orth, Kopfball Carl Opitz, Krein rettete per Kopf auf der Linie (35.). Die Schlussphase der ersten Hälfte wurde beiderseits hektisch geführt, dutzende Fehlpässe prägten das Geschehen vor rund 250 Zuschauern.
Kurz nach Wiederbeginn hätte Portenkirchner fast nachgelegt, doch Kolbe parierte den Schuss Richtung langes Eck mit einer Hand zur Ecke (48.). Zehn Minuten drauf hätte der ESV-Torschütze das 2:0 nachlegen müssen, war nach einem Schlosser-Heber über die Kette bereits an Kolbe vorbei und sah den nahezu leeren Kasten vor sich – Valentin Thalmeier rettete im letzten Moment mit dem rechten Abwehrbein (58.). Die Highlights stellten sich weiter im Zehn-Minuten-Takt ein: Ein Treffer von Rodi Hussein nach Portenkirchner-Solo übers ganze Feld wurde wegen Abseits aberkannt (68.). Am vorentscheidenden 2:0 war dann die halbe ESV-Crew beteiligt: Zunächst klärten Wieser und Schlosser im eigenen Sechzehner, dann leitete Timo Hofer den Konter ein, Portenkirchner ließ abprallen, die Kugel kam erneut zu Hofer, der links raus auf Hussein legte. Der 23-jährige Offensive lief nach innen, schlug noch einen Haken und überwand Kolbe cool ins lange Eck – da hatte er dann doch noch sein Tor gemacht (74.).
Hallbergmoos probierte nochmal alles, doch explizit Gendel und Koller ließen nichts anbrennen, verteidigten alles souverän weg. Ein Abseitstor von Orth zog den Gästen endgültig den Zahn. Ein letzter Konter führte zum 3:0-Endstand: Raul Miclos hatte diesmal nur wenig Einsatzzeit erhalten und holte mit ein wenig Wut im Bauch zum fulminanten Konter-Top-Tor ins lange Eck aus (90.+5). Auf der anderen Seite hatte Keeper Matej Markovic einen Nachmittag ohne große Brisanz erlebt. Neun Punkte nach fünf Spielen, einen direkten Kontrahenten überholt, der Saisonauftakt der Grenzstädter darf als gelungen betitelt werden.
ESV Freilassing: Markovic, Niclas Hofer (73. Spatzenegger), Wieser, Gendel, Hussein (81. Miclos), Koller, Krein, Bageritz (65. Mayer), Timo Hofer (88. Kapferer), Schlosser, Portenkirchner.