Welch ein Spiel an der Keltenstraße: Der ESV Freilassing hat es trotz früher 2:0-Führung nicht geschafft, Zählbares beim TSV Grünwald in der Fußball-Landesliga Südost mitzunehmen. Die Elf von Albert Deiter, der sich im Laufe des Matches selbst einwechseln musste, zog am Ende gegen spielstarke Gastgeber mit 3:4 den Kürzeren. Überschattet wurde die Begegnung vom Zusammenprall zwischen den Eisenbahnern Max Streibl und Georg Wieser – beide trugen Platzwunden davon, mussten damit vom Feld und wurden mittels Sanka ins Krankenhaus gebracht.
Der Hausherr notierte die erste Chance durch Yannick Frey, der sich auf der rechten Außenbahn gut durchsetzte. Das Leder zischte jedoch links vorbei (8.). Genauer zielten da die Gäste: Felix Bischoff schickte mit einem langen Ball Mark Kremer auf der linken Seite, der zog in den Sechzehner und legte quer auf den mitgelaufenen Timo Portenkirchner. Der Freilassinger Goalgetter umkurvte noch Goalie Timon Körber und schob ein – 0:1 (10.).
Und es kam noch besser für die Grenzstädter: zweite Chance, zweites Tor. Auf der rechten Seite sah Rejan Kryezi, dass Portenkirchner in Position gelaufen war. Im Stile eines Torjägers hielt die Freilassinger Nummer 24 aus gut 17 Metern einfach mal drauf und wuchtete die Kugel links oben in den Knick – 0:2 (13.). Doch die Gäste brachten Grünwald zurück in die Partie. Einen Eckball von links von Daniel Halbich bugsierte Verteidiger Tobias Schindler unglücklich ins eigene Netz (17.). Der Anschlusstreffer gab den Gastgebern Auftrieb, die mit schnellem Direktspiel gefielen. Zweimal hatte der agile Frey die Chance, einmal musste Goalie Matej Markovic eingreifen (25.), einmal blockte die Freilassinger Hintermannschaft (42.).
Der TSV hatte sich für Durchgang zwei viel vorgenommen. Daniel Leugner scheiterte zunächst am ESV-Schlussmann (46.), ehe er vier Zeigerumdrehungen später schön von Frey auf rechts in Szene gesetzt wurde und zum 2:2 einschoss. Kremer brachte die Gäste vermeintlich wieder in Führung, doch Schiedsrichter Christian Stober (Türkgücu Königsbrunn) pfiff die Situation zuvor ab (55.). Dafür schlug es auf der anderen Seite ein: Nach einer Ecke von rechts köpfte Gabriel Wanzeck zum 3:2 für die Hausherren ein (64.). Kremer hätte nach toller Vorarbeit von Markus Prechtl sofort egalisieren können, doch Körber packte aus kurzer Distanz die Glanztat aus (65.). Nun ging’s Schlag auf Schlag: Christian Niederstraßer wusste sich gegen Halbich lediglich per Foul zu helfen. Den fälligen Freistoß aus gut 16 Metern donnerte David Lucksch zum 4:2 in die Maschen (67.).
Nun wurde es schwer für den ESV, der sich allerdings nicht aufgab. Der eingewechselte Tobias Frisch tankte sich auf der linken Außenbahn durch und legte scharf in den Sechzehner, Körber ließ nur prallen, und Portenkirchner stand goldrichtig und staubte ab – nur noch 3:4 aus Gästesicht (73.). Zehn Minuten vor Schluss knockte sich Freilassing quasi selbst aus. Streibl und Wieser stießen auf Höhe des Mittelkreises zusammen und mussten danach minutenlang behandelt werden. Für beide ging’s mit Turban vom Feld. Da Deiter nur wenig Ersatzpersonal zur Verfügung stand, wechselte er sich selbst ein. Und die Gäste hätten tatsächlich noch ausgleichen können, ja müssen. Kryezi schlug eine Hereingabe von rechts exakt auf Frisch, der die Kugel jedoch aufs Netz setzte (90.).
Bischoff meinte im Nachgang: „Es ist genau das eingetreten, wie es nicht laufen sollte. Das ist oft so, wenn man hinten drinsteht. Doch das müssen wir abhaken.“ Von einer Kraftfrage möchte die Freilassinger Nummer 6 am Ende nicht sprechen. „Wir sind fit, natürlich kommen wir nur mit zwölf Feldspielern her, aber das soll keine Ausrede sein. Der letzte Schritt, die Überzeugung und der Wille waren nicht da, das Spiel zu gewinnen. Das ist uns abgegangen“, so der 27-Jährige. Das habe sich dann in jeder Situation eingeschlichen. Bischoff stellt jedoch auch klar: „Wir sind jetzt wieder knallhart im Abstiegskampf. Wir müssen gleich im Training darüber sprechen und uns mit vollem Fokus aufs nächste Spiel vorbereiten und eine Reaktion zeigen.“
ESV Freilassing: Markovic, Niederstraßer, Wieser (81. Deiter), Bischoff, Streibl (81. Bajgora), Kremer, Kryezi, Prechtl (69. Frisch), Schindler, Schlosser, Portenkirchner.