»Die erste Halbzeit war eine Katastrophe von uns«, sagte Straßhofer nach der zweiten Partie in dieser Englischen Woche. »Wir haben in der Pause ein bisschen etwas angepasst und haben in der zweiten Halbzeit wieder unser Gesicht gezeigt«, freute er sich. »Ich hätte auch das 2:2 mitgenommen«, gestand er. »Dass es am Ende dann sogar ein Sieg geworden ist, ist natürlich sehr erfreulich!« Auch der Sportliche Leiter des SBC, Kilian Lehrberger, zeigte sich begeistert von diesem Derby: »Man muss den Freilassingern Respekt zollen. Sie haben in der ersten Halbzeit eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt. Wenn man sich aber die zweite Hälfte anschaut, dann geht unser Sieg letztendlich in Ordnung.«
Enttäuscht war ESV-Trainer Goran Roksandic nach dem Schlusspfiff. »Das ist eine bittere Niederlage für uns – und das im Derby«, sagte er. »Ich bin trotzdem stolz auf meine Jungs, weil sie wieder 100 Prozent gegeben haben. Das ist der richtige Weg«, ergänzte der Coach und verwies auf die aktuell schwierige Personalsituation bei seinem Team.
Beide Trainer waren angetan von der einmaligen Kulisse. »Das hatte Regionalliga-Ambiente«, schwärmte Roksandic. Er bedankte sich bei den zahlreichen Fans aus Freilassing, »die leider ohne Punkte« wieder nach Hause fahren mussten. Straßhofer sprach von »einer Wahnsinnskulisse«. Auch Lehrberger zeigte sich überwältigt: »Man hat so ein Spiel mit zwei solchen Halbzeiten vor fast 1400 Zuschauern: Da ist bei keinem Fußballherz ein Wunsch offen geblieben.«
Die Partie begann mit Verspätung. Weil so viele Zuschauer noch nicht im Stadion waren, pfiff der souverän leitende Schiedsrichter Raffael Dauner (FC Phönix München) das Derby zehn Minuten später an. Auf beiden Seiten gab es zunächst erste zaghafte Versuche: Timo Portenkirchner (7.) für die Gäste und Malte Schorb für die Heimelf (12.) hatten aber noch kein Glück. Die Eisenbahner gingen in der 14. Minute dann aber doch in Führung: Ein Freistoß von Tim Bageritz segelte in den SBC-Strafraum, dort stand Goalgetter Timo Portenkirchner goldrichtig und netzte ein. Die SBC-Defensive sah dabei nicht gut aus und so musste der Gastgeber erstmals in dieser Saison daheim einem Rückstand hinterherlaufen.
Die Freilassinger zeigten in den ersten 45 Minuten ein perfektes Pressing und ließen dem sichtlich beeindruckten Gastgeber keinen Meter Raum. Portenkirchner hatte in der 24. Minute bereits das 2:0 auf dem Fuß, aber der Torjäger traf in dieser Szene den Ball nicht richtig – Glück für die Traunsteiner! Doch in der 35. Minute schlug der Freilassinger Torjäger erneut zu – es war bereits sein neunter Saisontreffer. Nach einer schnellen Kombination war Portenkirchner plötzlich allein vor SBC-Tormann Kevin Ploc und ließ diesem keine Abwehrchance. SBC-Kapitän Maximilian Hosp hätte in der 42. Minute beinahe noch den Anschlusstreffer erzielt, aber sein Freistoß ging an den linken Pfosten. Unter dem Strich sei seine Elf in der ersten Halbzeit zu ängstlich gewesen, fasste Gerry Straßhofer die ersten 45 Minuten zusammen. »Wir haben auch viele Fehlpässe gespielt und sind zu Recht in Rückstand geraten.«
Nach dem Wechsel kamen die Gastgeber wie ausgewechselt aus der Kabine. »Da haben wir dann Druck ausgeübt und waren in den Zweikämpfen drin«, lobte Straßhofer. Der ESV zog sich hingegen zurück, machte nur noch das Nötigste und wurde dafür letztlich bestraft. Bereits in der 53. Minute zappelte der Ball im ESV-Netz. Der Treffer des eingewechselten Dennis Hrvoic zählte aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht. Doch nur eine Minute später durften die Traunsteiner erstmals jubeln: Der erneut stark aufspielende Andrii Pelypenko erzielte den wichtigen Anschlusstreffer (54.). ESV-Schlussmann Matej Markovic war eine Minute später bei einem Versuch von Malte Schorb zur Stelle. Vom ESV war nur noch wenig zu sehen. Beim Versuch von Portenkirchner war SBC-Schlussmann Ploc aber zur Stelle (74.). Auf der Gegenseite fiel in der 84. Minute das umjubelte 2:2. Ein Freistoß von Pelypenko segelte in den Strafraum und Nick Schreiber netzte ein.
In der Schlussphase hatten beide Mannschaften plötzlich wieder Möglichkeiten – das bessere Ende hatte die Heimelf. Schorb gab alles und leitete den Ball zu Hrvoic weiter, dieser wiederum bediente Noah Hufnagl, der kaltschnäuzig zum 3:2 (90.) verwandelte. Der ESV machte nun komplett auf und lief noch in einen Konter. Hrvoic machte mit dem 4:2 (90.+2) den Deckel auf dieses Derby drauf! Der Torschütze hätte sogar noch das 5:2 machen können, aber das wäre des Guten zu viel gewesen.
Für den ESV Freilassing geht es jetzt am Samstag um 16 Uhr gegen Türkgücü München weiter. »Wir müssen jetzt gut regenerieren und dann probieren wir es am Samstag wieder, dass wir drei Punkte holen«, betonte ESV-Coach Goran Roksandic. Der Sportliche Leiter der Münchner, der ehemalige SBC-Coach Rainer Elfinger, beobachtete den nächsten Gegner seiner Elf übrigens in Traunstein und weiß nun, dass die Eisenbahner nicht zu unterschätzen sind.
Der SB Chiemgau hat einen Tag länger Zeit, um sich zu erholen. Die Traunsteiner sind erst am Sonntag um 15.30 Uhr beim TSV Murnau gefordert. »Wir können dort jetzt ganz befreit aufspielen«, sagte Kilian Lehrberger vor dem Spitzenspiel des Überraschungsdritten beim Tabellenführer.
ESV Freilassing: Markovic, Hofer (87. Seybold), Miclos, Wieser, Hussein (71. Omeradzic), Tafilaj, Prechtl (63. Maegdefrau), Bageritz (79. Frisch), Hofer, Schlosser, Portenkirchner.
Tore: 0:1 Timo Portenkirchner (14.); 0:2 Timo Portenkirchner (35.); 1:2 Andrii Pelypenko (54.); 2:2 Nick Schreiber (84.); 3:2 Noah Hufnagl (90.); 4:2 Dennis Hrvoic (90.+2).
Schiedsrichter: Raffael Dauner (FC Phönix München).
Zuschauer: 1367