Durch die Freundin gings vor neun Jahren nach Europa, hier spielte der Mittelfeldakteur bei Austria Salzburg und in Oberndorf. Doch ein lädiertes Knie ließ nach 30 Jahren Fußball keine weitere Karriere zu. Nach einigen U-Trainer-Jahren beim SV Wacker Burghausen war Roksandic zuletzt Coach des SV Ostermiething II in der 2. Klasse, feierte einen Tag vor dem ESV-Trainingsstart den Meistertitel und den damit verbundenen Aufstieg in die 1. Klasse. Demnächst möchte er sein Studium der Sportwissenschaft abschließen.
„Die Saison kommt viel zu früh“, sagt der neue ESV-Teamchef im Interview mit der Heimatzeitung nach nur knapp fünf Wochen Vorbereitungszeit: „Letztlich zu wenig, weil sie freilich mitten in der Urlaubszeit stattfand und ich nie das ganze Team komplett im Training hatte“, so Roksandic. Gleichwohl geht der gelernte Elektriker guten Mutes in die neue Spielzeit 2026/27.
Herr Roksandic, Sie könnten im Profi-Bereich arbeiten. Das Engagement in der 6. deutschen Liga ist für Sie durchaus ein Sprung ins kalte Wasser:
Roksandic: Das stimmt, darum war ich zunächst zögerlich, als die Anfrage schon im Februar von Brane Aleksic kam. Ich war mir nicht sicher, ob ich der richtige Mann für diese Aufgabe bin, weil meine Philosophie vermutlich nicht leicht umzusetzen ist. Freilich habe ich es mir zugetraut, und nach einem Gespräch mit der Mannschaft war sie guter Dinge, es mit mir versuchen zu wollen. In den ersten Wochen der Vorbereitung hat es mich dann tatsächlich ein wenig zerrissen, weil Urlaubszeit war und ich teils nur elf, zwölf Spieler im Training hatte. Das sind Dinge, die ich bislang überhaupt nicht gewohnt war.
Die Mannschaft erfuhr in der Sommerpause einen personell doch starken Umbruch, es geht also nicht nur für Sie komplett bei Null los.
Roksandic: Das ist die Herausforderung. Mein Videostudium der Frühjahrsspiele ist deshalb ein wenig obsolet. Es klingt ein wenig durch, dass Sie mit der Vorbereitung bislang nicht ganz zufrieden sind.
Roksandic: Das liegt unter anderem daran, weil ich immer mehr möchte. Aber ja, es lief nicht optimal, aufgrund der personellen Situation. Man will als Trainer natürlich alle
Spieler zusammen haben. Aber ich verstehe, dass das Amateurbereich – alle haben Jobs oder studieren – schwierig ist. Mit nur der Hälfte des Kaders kann man freilich nicht viel probieren. Die zweite Woche war besser, in der dritten musste ich auch mal weg, weil mein Engagement in Oberösterreich bis einen Tag vor dem ESV-Trainingsstart lief. Jetzt ist es besser, aber wir hatten noch nie alle Spieler zusammen. Bis wir wirklich richtig „fertig“ sind, also top vorbereitet, wird es wohl September werden.
Andersrum: Was lief schon richtig gut?
Roksandic: Mein Team ist sehr motiviert, das ist für mich ohnehin sehr wichtig. Die Energie, die die Spieler auf den Platz bringen, ist wirklich gut. Positiv ist zudem, dass Führungsspieler wie Simon Schlosser oder Tobi Schindler in der Kabine hoch anerkannt sind – das funktioniert bestens.
Wie wünschen Sie sich Ihre Mannschaft auf dem Platz, wie soll sie agieren?
Roksandic: Mit viel Ballbesitz. Wenn man den Ball hat, kann man etwas bewegen. Beim ESV kam man bislang viel über lange weite Pässe und den zweiten Ball. Die Umstellung ist natürlich nicht ganz einfach, darum hatten wir bislang durchaus Chaos. Wir arbeiten hart am neuen System.
Im Vergleich zu Ihrem Vorgänger Albert Deiter, der oft mit stoischer Ruhe am Seitenrand coachte, sind Sie schon der lautstark Aktive…
Roksandic: … und mir ist völlig bewusst, dass 95 Prozent von dem, was ich da reinrufe, gar nicht bei den Spielern ankommt und sie es in der Hektik eines Spiels umsetzen können. Aber das ist nun mal meine Art. Aber ich denke, dass sich meine Energie durchaus auf die Spieler überträgt. Vor dem Spiel, in der Kabine, bin ich jedoch ganz ruhig und auf die Sache fokussiert. Da wäre „laut sein“ nicht angebracht.
Haben Sie Ihre Startelf für den heute gegen Kastl schon im Kopf?
Roksandic: Acht, neun Spieler ja, die restlichen Positionen sind noch offen. Aufgrund der Knie-Verletzung des Stammkeepers der Vorsaison, Tom Unterhuber, wird Matej Markovic die klare Nummer 1?
Roksandic: So ist es. Ende August wird wohl noch ein neuer Keeper zu uns stoßen. Und der Tom ist erstmal mein Co.-Trainer.
In der letzten Saison agierte Ex-Profi-Biathlet Andi Stitzl als Fitnesstrainer, der obendrein stark motivierend wirkte.
Roksandic: Er war schon sehr wichtig, brachte eine unglaubliche Energie ins Kollektiv. Ich war sehr dafür, dass der Andi bleibt, aber er hatte wieder ein gutes Angebot aus dem Biathlon-Bereich. Für uns ist das schade. Bislang hat sich in dieser Kategorie keine neue Personalie ergeben, Gespräche gibt es aber. Für mich als Sportwissenschaftler ist es gewissermaßen sogar mein Bereich.
Wie sehr beschäftigen Sie sich mit dem jeweils nächsten Gegner:
Roksandic: Ich kenne die Liga noch nicht, habe aber gute Kontakte, gerade zu unserem ersten Gegner. Da kann ich mich schon ein wenig informieren. Außerdem sind viele meiner ehemaligen Wacker-Junioren in der Landesliga unterwegs, die ich bestens kenne.
Leider gibt es schon jetzt einen personellen Wermutstropfen.
Roksandic: Der erneute Kreuzbandriss im gleichen Knie bei Manu Beck ist wirklich bitter, er hatte sich nach so langer Verletzungspause gerade erst wieder zurückgekämpft. Möglicherweise war die Reha zu kurz.
Zum Abschluss: Das Saisonziel?
Roksandic: In meinem ersten Interview als angehender ESV-Coach, als die Abgänge noch nicht bekannt waren, gab ich einen Top-Fünf-Platz als Ziel an. Das möchte ich ein wenig revidieren und ausgeben, dass wir sicher unterwegs sein wollen. Einfach nichts mit der gefährlichen Zone zu tun haben, wäre gut. Wir müssen uns alle sicher erst in die Saison reinarbeiten, wir haben viele junge Spieler, die ihre Zeit brauchen. Bis zur Winterpause wollen wir ein stabiles Team aufbauen.