»Wir sind froh, dass wir am Ende einen Punkt mitnehmen konnten«, sagte SBC-Spielertrainer Gentian Vokrri nach dem Schlusspfiff. »Wir hätten das Spiel aber auch gewinnen können, weil wir die besseren Chancen hatten.« Allerdings sei der Matchplan mit dem frühen 0:2-Rückstand nicht aufgegangen. »Das darf uns natürlich nicht passieren. Wir waren da überhaupt nicht im Spiel. Wir haben das sehr schlecht gemacht.« Vokrri lobte dann aber die Moral seiner Mannschaft, die letztlich immer wieder in die Partie zurückgekommen ist. »Die Reaktion war die richtige. Das ist auch wichtig in dieser Phase der Saison.«
ESV-Trainer Albert Deiter zeigte sich nach der Partie mit dem Punktgewinn zufrieden: »Wenn man den Spielverlauf sieht, geht das Unentschieden aus meiner Sicht völlig in Ordnung.« Denn vor allem in der zweiten Halbzeit habe sein Team einfach zu wenig investiert, sagte er. »Wir haben zu viele Fehler gemacht – vor allem in der Vorwärtsbewegung.« Es ärgere ihn natürlich auch, dass man eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben habe. »Wir waren nicht clever genug. Aber das ist uns jetzt auch in den letzten Spielen schon passiert. Daran müssen wir arbeiten.«
Beide Teams schenkten sich in einer fairen Partie von der ersten Minute an nichts. Kenan Smajlovic passte in der 4. Minute im Fünfmeterraum quer auf Julian Höllen, der nur knapp am Ball vorbeirutschte – das hätte die frühe Führung für die Heimelf sein können. Auf der Gegenseite schepperte es dafür gleich mit der ersten Angriffswelle. SBC-Torwart Christoph Gruber musste sich bei einem Schuss von Dominik Krein mächtig strecken, um den Ball noch zur Ecke lenken zu können (12.). Diese brachte Timo Portenkirchner herein, und Tobias Schindler (13.) lenkte die Kugel ins Netz. Es sollte noch bitterer kommen für die Gastgeber: Nur eine Minute später schickte Portenkirchner den ehemaligen SBCler Mark Kremer auf die Reise, der sich nicht zweimal bitten ließ und zum 2:0 vollstreckte. Was für ein Auftakt in dieses Derby!
Auch in der Folge ging es auf beiden Seiten hin und her, beide Abwehrreihen standen alles andere als sattelfest. Julian Höllen (15.), Michael Steinbacher (23.) und Andrii Pelypenko (24.) hatten gute Gelegenheiten für den SBC, auf der Gegenseite prüften Portenkirchner und im Nachschuss Kremer erneut Keeper Gruber (17.).
In der 27. Minute durften auch die Hausherren das erste Mal jubeln: Julian Höllen (27.) stand goldrichtig in der Strafraummitte und erzielte den Anschlusstreffer. Fünf Minuten später fiel gar der Ausgleich: Patrick Dreßl setzte Kenan Smajlovic in Szene, der aufs Tor zulief und einnetzte (32.). Doch damit nicht genug: Es sollte auch in den letzten Minuten der ersten Halbzeit turbulent weitergehen: Wieder ließ sich der SBC viel zu leicht ausspielen, und Kremer passte auf Portenkirchner, der zur erneuten Freilassinger Führung traf (45.+3). Die Heimelf und viele Zuschauer auf der Tribüne reklamierten eine Abseitsstellung der Freilassinger, aber Schiedsrichter Korbinian Eßberger (SV Wallkofen) gab den Treffer. Im direkten Gegenzug hatte Höllen den erneuten Ausgleich auf dem Fuß, doch sein Schuss ging knapp vorbei.
Nach dem Wechsel ging es nicht mehr so turbulent weiter, dennoch blieb die Partie spannend bis zum Schluss! Der SB Chiemgau mühte sich, den erneuten Ausgleich zu erzielen, musste aber bis zur 58. Minute warten, ehe wieder eine gute Chance verzeichnet werden konnte. Vokrri passte dabei auf Höllen, der das Leder erneut rechts am Freilassinger Tor vorbeisetzte. Auf der Gegenseite parierte Schlussmann Gruber einen Schuss des eingewechselten Tobias Frisch (64.).
So richtig gefährlich wurde es für den ESV-Kasten in der 69. Minute: Alessandro Discetti spielte auf Höllen, der Torwart Thomas Unterhuber zu einer Glanzparade zwang. Der Ausgleich lag in der Luft, er fiel aber erst in den letzten Minuten der Partie. Die Heimelf warf alles nach vorne – und wurde für ihren kämpferischen Einsatz noch belohnt: Diesmal legte Höllen für Vokrri auf, der aus der zweiten Reihe draufhielt und zum verdienten 3:3 traf. Am Ende freuten sich beide Teams über die gerechte Punkteteilung und feierten mit ihren Fans.
Die Trainer hatten dann auch noch einen Wunsch: Sie hoffen, dass beide Mannschaften auch in der nächsten Saison in der Landesliga aufeinandertreffen werden. »Wenn man sieht, was hier los ist, dann macht so ein Derby absolut Spaß«, sagte Deiter. »Bei beiden Mannschaften ist in dieser Saison zwar einiges schief gelaufen, aber die Qualität ist auf beiden Seiten da«, ergänzte er. Für die endgültige Rettung, glaubt Deiter, »braucht man noch einen Sieg. Wir dürfen uns jetzt auf keinen Fall zurücklehnen«.
ESV Freilassing: Unterhuber, Wieser, Bischoff, Streibl (85. Niederstraßer), Kremer (89. Spatzenegger), Koller (40. Kryezi), Krein (46. Frisch), Schindler, Schlosser, Portenkirchner, Hafner (70. Bageritz).
Tore: 0:1 Tobias Schindler (13.); 0:2 Mark Kremer (14.); 1:2 Julian Höllen (27.); 2:2 Kenan Smajlovic (32); 2:3 Timo Portenkirchner (45.+3); 3:3 Gentian Vokrri (87.).
Zuschauer: 811.